Selfcare – Verbindung beginnt bei dir
Der Kontakt zu einem anderen Menschen beginnt immer zuerst bei dir selbst.
Wie du dich selbst wahrnimmst, wie du mit deinen Gefühlen umgehst und wie gut du für dich sorgst, beeinflusst maßgeblich, wie du Beziehungen gestaltest.
Deshalb widmen wir uns in diesem Abschnitt einem zentralen Baustein des RE:CONNECT-Prozesses: Selfcare – Selbstfürsorge und Selbstkontakt.
Bereits im Bereich Fundament hast du begonnen, deine Ressourcen zu entdecken und zu sammeln. Diese inneren, äußeren und relationalen Ressourcen sind wichtige Kraftquellen, die dein Nervensystem stabilisieren und dich unterstützen, auch in schwierigen Situationen wieder in Balance zu kommen.
Selfcare bedeutet also nicht nur, nett zu sich selbst zu sein – sondern bewusst dafür zu sorgen, dass du deine Ressourcen aktiv nutzt und stärkst.
Die sieben Felder der Selfcare
Um dir einen Überblick zu geben, stelle ich dir die sieben Felder der Selfcare nach Ulrike Scheuermann vor.
Sie zeigen verschiedene Bereiche, in denen Selbstfürsorge stattfinden kann. Prüfe für dich, wie gut diese Felder aktuell in deinem Leben ausgeprägt sind.
Die fünf Hemmungen der Selbstliebe
Oft wissen wir eigentlich, was uns guttun würde – und trotzdem setzen wir es nicht um.
Es gibt typische Muster, mit denen wir uns selbst daran hindern, gut für uns zu sorgen.
Erste Hemmung
Du nimmst deine Bedürfnisse gar nicht wahr.
Zweite Hemmung
Du nimmst deine Bedürfnisse nicht ernst.
Dritte Hemmung
Du traust dich nicht auszusprechen, was du möchtest.
Vierte Hemmung
Du forderst nicht klar ein, was du brauchst.
Fünfte Hemmung
Du kannst Liebe oder Unterstützung nicht annehmen.
Es gibt also viele Möglichkeiten, sich selbst im Weg zu stehen.
Die gute Nachricht ist: Es gibt genauso viele Möglichkeiten, damit aufzuhören.
Der Weg beginnt mit fünf einfachen Schritten:
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wahrnehmen
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ernst nehmen
-
äußern
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einfordern
-
annehmen
Lebendig trotz Krise
Krisen und Phasen fehlender Harmonie gehören zum Leben und zu jeder Beziehung dazu.
Du kannst eine Krise passiv durchleiden und darauf hoffen, dass sie irgendwann vorbeigeht – oder du nutzt sie als Einladung zu verstehen, was du gerade lernen und verändern kannst.
Starke Gefühle sind oft unangenehm. Gleichzeitig sind sie ein Ausdruck deiner Lebendigkeit.
Wenn du lernen möchtest, schwierige Gefühle besser auszuhalten, hilft es, deine psychische Flexibilität zu stärken.
Das bedeutet:
-
präsent sein für das, was gerade geschieht
-
dich öffnen für das, was du fühlst
-
akzeptieren, was du nicht ändern kannst
-
und aktiv verändern, was in deiner Verantwortung liegt.
Eine hilfreiche Übung dafür ist der Gefühlsbericht.
👉 Übung: Gefuehlsbericht_schreiben
Wie entsteht Leiden?
Ein Teil unseres Leidens entsteht durch äußere Ereignisse.
Ein großer Teil entsteht jedoch durch unsere inneren Reaktionen darauf.
Es gibt sechs typische Prozesse, durch die wir Leiden verstärken oder aufrechterhalten.
1. Kognitive Fusion
Du verschmilzt mit deinen Gedanken oder Gefühlen und hältst sie für die absolute Wahrheit.
2. Erlebnisvermeidung
Du versuchst unangenehme Gefühle zu vermeiden oder zu betäuben – zum Beispiel durch Ablenkung, Arbeit, Essen oder andere Strategien.
3. Dominanz von Vergangenheit oder Zukunft
Du verbringst viel Zeit mit Grübeln über Vergangenes oder Sorgen über Zukünftiges und verlierst dadurch den Kontakt zur Gegenwart.
4. Mangelnde Werteklarheit
Du weißt nicht genau, was dir im Leben wirklich wichtig ist und verlierst dadurch Orientierung.
5. Unwirksames Handeln
Du reagierst impulsiv oder automatisch und handelst nicht im Einklang mit deinen eigentlichen Werten.
6. Anhaftung an dein Selbstbild
Du identifizierst dich stark mit Geschichten über dich selbst („Ich kann das nicht“, „Ich bin halt so“) und verlierst dadurch deine innere Beweglichkeit.
Wie du dein Leiden reduzieren kannst
Genauso wie bestimmte Muster Leiden verstärken, gibt es auch Praktiken, die dein Wohlbefinden stärken.
1. Im Hier und Jetzt sein
Erlebe bewusst den gegenwärtigen Moment.
2. Defusion
Lerne, deine Gedanken zu beobachten, ohne dich mit ihnen zu identifizieren.
3. Akzeptanz
Erlaube dir, auch schwierige Gefühle zu fühlen, statt sie zu vermeiden.
4. Den inneren Beobachter aktivieren
Ein Teil von dir kann deine Gedanken, Gefühle und Handlungen wahrnehmen und reflektieren.
5. Deine Werte kennen
Klarheit über deine Werte gibt dir Orientierung für dein Handeln.
6. Engagiertes Handeln
Richte dein Verhalten bewusst nach dem aus, was dir wirklich wichtig ist.
Selfcare als Grundlage eurer Beziehung
Selfcare ist kein Luxus – sie ist eine Grundlage für gesunde Beziehungen.
Wenn du gut mit dir selbst verbunden bist,
-
erkennst du deine Bedürfnisse klarer
-
kannst du sie respektvoll ausdrücken
-
und bist emotional stabiler im Kontakt mit anderen.
Die Ressourcen, die du im Fundament des RE:CONNECT-Prozesses gesammelt hast, unterstützen dich genau dabei.
Nutze sie bewusst.
Sie helfen dir, dich zu regulieren, deine Lebendigkeit zu spüren und dich immer wieder mit dir selbst zu verbinden.
Denn eine lebendige Beziehung entsteht dort, wo zwei Menschen in gutem Kontakt mit sich selbst sind.