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Schadensbericht

Schadensbericht & Heilung alter Verletzungen

Im nächsten Schritt des Integrationsprozesses wenden wir uns einem wichtigen Thema zu: alten Verletzungen und offenen Wunden in eurer Beziehung.

Viele Konflikte entstehen nicht nur durch aktuelle Situationen, sondern auch durch unverarbeitete Erfahrungen aus der Vergangenheit. Manche Erlebnisse haben sich tief eingeprägt und wirken bis heute nach. Sie tauchen in Konflikten immer wieder auf und verhindern, dass echte Klärung möglich wird.

Der Schadensbericht ist eine Möglichkeit, diese Verletzungen sichtbar zu machen und ihnen Raum zu geben.

Nicht, um Schuld zu verteilen – sondern um Verstehen, Mitgefühl und Heilung zu ermöglichen.


Schadensbericht schreiben

Nimm dir Zeit und schreibe einen Schadensbericht zu einer Situation, die dich besonders geprägt oder verletzt hat.

Wähle ein Thema,

  • das dich immer wieder beschäftigt

  • das emotional noch präsent ist

  • das bisher nicht wirklich geklärt werden konnte.

Der Schadensbericht hilft dir dabei, dein Erleben in Worte zu fassen und deine Gefühle besser zu verstehen.

👉 Übung: Schadensbericht schreiben


Dein „Gewordensein“ verstehen

Für unsere gemeinsame Arbeit ist es außerdem hilfreich, wenn du mir einen Einblick in dein Gewordensein gibst.

Unsere Kindheit, unsere Beziehungserfahrungen und unsere frühen Prägungen beeinflussen stark, wie wir heute Beziehungen erleben und Konflikte führen.

Bitte nimm dir Zeit für den folgenden Fragebogen.

👉 Dokument: Fragebogen_Gewordensein

Sende mir den ausgefüllten Fragebogen gemeinsam mit deinem Schadensbericht bitte spätestens 24 Stunden vor unserem Termin zu.


Konfliktkompetenz entwickeln

Ein zentrales Ziel im RE:CONNECT Prozess ist es, eure Konfliktkompetenz zu stärken.

Das bedeutet:

Ihr lernt, schwierige Themen anzusprechen, ohne dass Gespräche eskalieren oder Gefühle euch überwältigen.

Langfristig sollt ihr in der Lage sein,

  • Konflikte ruhig zu besprechen

  • euch gegenseitig zuzuhören

  • und Lösungen zu finden, ohne in alte Streitdynamiken zurückzufallen.

Lies dir deshalb bitte die folgenden Unterlagen sorgfältig durch und sprich gerne auch mit deinem Gegenüber über deine Erkenntnisse.


Warum Wut oft Heilung verhindert

Wenn wir verletzt sind, reagieren wir häufig mit Wut oder Ärger.

Diese Wut sagt oft Dinge wie:

„Du bist nicht okay.“
„Du hast einen Fehler gemacht.“
„Du solltest dich schämen.“

Hinter der Wut steckt meist ein tiefes Bedürfnis nach Wiedergutmachung. Wir wünschen uns, dass der andere erkennt, was er getan hat, Verantwortung übernimmt und etwas tut, damit es uns wieder besser geht.

Doch leider hat Wut häufig den gegenteiligen Effekt:

Sie führt dazu, dass sich der andere zurückzieht oder verteidigt.

Dabei brauchst du eigentlich etwas ganz anderes:

👉 gesehen und verstanden zu werden.

Deshalb werden wir lernen, wie du deine Gefühle so ausdrücken kannst, dass sie Kontakt ermöglichen statt Abwehr auszulösen.


Die fünf Schritte der Heilung

Emotionale Verletzungen heilen dann, wenn sie auf eine hilfreiche Weise verarbeitet werden.

Fünf Erfahrungen unterstützen diesen Prozess besonders:

1. Fühlen

Nimm deine Gefühle wahr und gib ihnen Worte. Gefühle tragen wichtige Botschaften in sich. Gleichzeitig gilt: Du bist immer mehr als dein Gefühl.

2. Reflektieren

Frage dich, auf welche unerfüllten Bedürfnisse deine Gefühle hinweisen. Wenn du deine Situation im größeren Zusammenhang betrachtest, verändert sich oft dein Blick darauf.

3. Handeln

Sorge aktiv für deine Bedürfnisse. Suche das Gespräch und gestalte Lösungen, die auch unabhängig von deinem Gegenüber funktionieren können.

4. Befreien

Lass alte Verurteilungen und negative Glaubenssätze los. Heilung entsteht, wenn wir Groll loslassen und unsere Verletzlichkeit annehmen.

5. Wachsen

Finde neue Wege für dich und eure Beziehung. Manche alten Vorstellungen sind nicht mehr hilfreich – mache Platz für neue Erfahrungen und Entwicklung.

Die fünf Schritte der Heilung

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Bedürfnisse ausdrücken – Gewaltfreie Kommunikation

Ein wichtiges Werkzeug für eure zukünftigen Gespräche ist die Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshall B. Rosenberg.

Sie hilft dir dabei, so zu sprechen, dass dein Gegenüber nicht in Abwehr geht, sondern offen zuhören kann.

Der zentrale Gedanke:

Du sprichst nicht über den anderen – sondern über dein eigenes Erleben.

Dafür nutzt du Ich-Botschaften.

Beispiel:

Beobachtung:
„Wenn ich höre, dass du unsere Verabredung verschieben möchtest …“

Gefühl:
„… fühle ich mich traurig …“

Bedürfnis:
„… weil mir Nähe und Austausch wichtig sind …“

Wunsch:
„… und ich wünsche mir, dass wir bald einen neuen Termin finden.“

👉 Inhalte: Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation


Pseudogefühle erkennen

Oft benutzen Menschen scheinbare Gefühle, die eigentlich Vorwürfe enthalten.

Zum Beispiel:

„Ich fühle mich unter Druck gesetzt.“
„Ich fühle mich erpresst.“
„Ich fühle mich verarscht.“

Diese Aussagen werden meist so gehört:

„Du setzt mich unter Druck.“
„Du erpresst mich.“
„Du legst mich rein.“

Das führt fast automatisch zu Abwehr und Verteidigung.

Achte einmal im Alltag darauf, wie häufig solche Pseudogefühle verwendet werden.


Kommunikation verstehen

Neben der Art, wie wir sprechen, spielt auch eine Rolle, wie Botschaften gehört werden.

Der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun hat gezeigt, dass jede Nachricht mehrere Ebenen enthält.

Deshalb kann ein und derselbe Satz ganz unterschiedlich verstanden werden.

Ein hilfreicher Satz im Alltag kann sein:

👉 „Was hast du gerade in meinen Worten gehört?“

Diese Frage schafft oft überraschend viel Klarheit. Ich empfehle dir, dich gemeinsam mit deinem Gegenüber eure Hörgewohnheiten auszutauschen.

Hoergewohnheiten


Begleitung für deinen Prozess

Gerade jetzt, wo du dich mit deinen Verletzungen und Erfahrungen beschäftigst, kann es hilfreich sein, dich immer wieder mit deinem inneren Kind zu verbinden.

Die folgende Meditation unterstützt dich dabei.

👉 Meditation: Inneres Kind

Hier geht's zu den Inhalten der GFK!

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Wie verstehe ich, was du mir sagen willst?

Du hast inzwischen gelernt, was Ich-Botschaften sind, nämlich Aussagen, die keine impliziten Annahmen oder Beurteilungen über den anderen ausdrücken. Heute geht es um eine andere Seite von Kommunikation, denn heute fragen wir: Wer oder was bestimmt eigentlich, ob eine Kommunikation und Verständigung gelingt?

Du lernst heute einen weiteren Psychologen kennen, nämliche Friedemann Schulz von Thun. Er hat das Sender-Empfänger Modell entwickelt und hat präzise herausgearbeitet, warum Kommunikation so komplex ist. Denn noch entscheidender als die Botschaft, die gesendet wird, ist die Art und Weise wie die Botschaft gehört wird.

Jede Botschaft oder Aussage lässt sich immer auf ganz unterschiedliche Weise lesen und verstehen. Eine Botschaft enthält immer mindestens 4 Aussagen, in Wirklichkeit sogar noch viel mehr. Und in den Ohren des Hörenden entscheidet sich, was gesagt wurde, denn darauf bezieht sich der Hörende in seiner Antwort.

Wichtiger Tipp: Wenn du deine Kommunikation verbessern willst, dann frage dein Gegenüber ab sofort: "Was habe ich in deinen Ohren gerade gesagt?" Das kannst du in jeder Alltagssituation mit allen Menschen um dich herum üben.

Du findest in dieser Lektion eine Übersicht, um deine Hörgewohnheiten zu überprüfen.

Hörgewohnheiten überprüfen

Begleitung für deinen Prozess

Gerade jetzt, wo du dich mit deinen Verletzungen und Erfahrungen beschäftigst, kann es hilfreich sein, dich immer wieder mit deinem inneren Kind zu verbinden.

Die folgende Meditation unterstützt dich dabei.

👉 Meditation Inneres Kind:


Vorbereitung für den nächsten Schritt

Für unsere weitere gemeinsame Arbeit ist es sehr hilfreich, wenn du dich auch mit den Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation vertraut machst.

Du findest dafür im Mitgliederbereich einen eigenen Ordner mit verschiedenen Materialien.

👉 Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg