Regulation
Im vorherigen Kapitel hast du gelernt, wie dein autonomes Nervensystem funktioniert und wie Über- oder Untererregung entstehen. Dieses Wissen ist die Grundlage dafür, dich selbst besser zu verstehen und deine Reaktionen einzuordnen – sei es in Konflikten, Stresssituationen oder im Alltag.
Jetzt geht es darum, praktisch zu werden: Wie kannst du dysregulierte Zustände wieder in Balance bringen? Wie kannst du dein Nervensystem beruhigen, Ressourcen aktivieren und dich selbst stärken?
Mit Achtsamkeit, Körperwahrnehmung und Bewusstwerdung kannst du Schritt für Schritt lernen, aus den unbewussten Automatismen deines Nervensystems heraus zu wirken. Dabei gibt es zwei zentrale Schlüssel:
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Co-Regulation – Unterstützung durch andere Menschen oder durch sichere Verbindungen, die dir helfen, dich zu stabilisieren.
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Selbstregulation – Fähigkeiten und Werkzeuge, die du eigenständig einsetzen kannst, um wieder in Balance zu kommen.
Zum Thema Selbstregulation findest du hier ein wertvolles Video, das in klaren Worten erklärt, wie dein Nervensystem funktioniert und dir 5 effektive Körperübungen zeigt, die du bereits aus unseren bisherigen Übungen kennst. Diese Übungen helfen dir, dich selbst zu stabilisieren, zu regulieren und deine Ressourcen zu stärken.
Ausstieg aus dem Trauma-Strudel
Unser Ziel ist es, dich zu unterstützen, aus den „Trauma-Strudeln“ wieder in deinen gesunden Lebensfluss zurückzufinden. Traumatische Erfahrungen führen dazu, dass sich Energie und Reaktionen im Nervensystem festsetzen und der Fluss des Lebens gestört wird.
Damit der Fluss wieder frei fließen kann, arbeiten wir mit vier zentralen Elementen:
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Co-Regulation
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Selbstregulation
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Ressourcen aktivieren
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Pendeln
Durch Co-Regulation und das Nutzen deiner Ressourcen stärken wir die Sogkraft der Ressourcenwirbel und schwächen gleichzeitig die Traumawirbel. Mit dem Prinzip des Pendelns kannst du Heilendes stärken, ohne etwas anderes auszublenden oder zu unterdrücken – wir fördern Balance statt Blockade.
Co-Regulation
Co-Regulation beschreibt den Prozess, wenn ein Mensch mit einem regulierten Nervensystem einem Menschen mit dysreguliertem Nervensystem hilft, wieder in Balance zu kommen.
Bereits in der Kindheit geschieht dies automatisch durch die Bezugspersonen, denn Kinder können sich noch nicht selbst regulieren. Durch Co-Regulation lernen wir nach und nach, unsere eigenen Reaktionen zu steuern.
In unserer Arbeit biete ich dir einen sicheren Raum und mein balanciertes Nervensystem, um korrigierende Erfahrungen zu machen. Co-Regulation schafft Stabilität und unterstützt gleichzeitig die Entwicklung von Selbstregulation.
Selbstregulation
Selbstregulation bedeutet, dass du lernst, deine autonomen Reaktionen zu steuern, deinen inneren Rhythmus zu stabilisieren und dich selbst zu beruhigen.
In der traumasensiblen Begleitung geschieht das über:
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Co-Regulation
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Stärkung deiner Ressourcen
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Wissen über die Sprache deines Nervensystems
Und dann heißt es: üben, üben, üben.
Je mehr Selbstregulation du entwickelst, desto weniger leiden Symptome oder traumatische Überbleibsel unter deinem Alltag. Die Fähigkeit zur Selbstregulation ist somit Kernziel unserer Arbeit – und zugleich ein natürlicher Effekt der traumasensiblen Begleitung.
Selbstermächtigung & Selbstbestimmung
Durch Co- und Selbstregulation stärkst du deine Kraft und Autonomie. Du kommst aus Ohnmacht, Fremdbestimmung und Starre heraus und kannst dein Leben wieder selbst gestalten.
Selbstermächtigung bedeutet, deine echte, gesunde Autonomie zu leben, frei von Abhängigkeiten, Isolation oder übermäßiger Anpassung.
Unser gemeinsames Ziel ist es, dass du zu dir selbst findest, zu deinem unverletzten Kern, der hinter den traumatischen Erfahrungen verborgen ist. So kannst du authentisch leben, fühlen und handeln – frei, lebendig und verbunden mit dir und deiner Umgebung.
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Die Kraft der Orientierung - die Basis des Empfindens von Sicherheit
Die Orientierungsreaktion
Unser autonomes Nervensystem verfügt über zahlreiche automatische Reaktionen, die allesamt der Gesundheit, dem Schutz des Körpers und des Lebens dienen. Eine dieser Reaktionen ist die Orientierungsreaktion. Die grundlegende Aufgabe der Orientierungsreaktion ist es, schnell und rechtzeitig Gefahren zu erkennen und auf sie zu reagieren.
Beispiel: Spaziergang im Urwald, es knackst. Der Körper bleibt stehen, wir halten inne.
Aufmerksamkeit und Wahrnehmung orientieren sich augenblicklich voll und ganz in die Richtung des Geräusches.
Dabei folgt unsere Biologie folgenden Fragen
• Wo ist es?
• Was ist es?
• Ist es gefährlich?
Alle Wahrnehmungsdaten werden zusammengefasst und es folgt eine Bewertung: „Ich bin sicher“ oder „Ich bin in Gefahr“.
Die Orientierungsreaktion steht also immer (außer wir werden völlig überrascht) am Beginn einer Bedrohungssituation.
Orientierung ist eine essenzielle Ressource zur Selbstregulation.
Wenn Trauma im Hintergrund wirkt, richtet sich die Orientierungsreaktion häufig ausschließlich auf traumaassoziierte Stimuli (das ist das Medusa Phänomen.) Der Blick ist verengt und die Wahrnehmung ist eingeschränkt.
Wenn wir Orientierung sanft üben, öffnen wir mit der Orientierung als Ressourcen den Raum für das Entdecken von Sicherheit. Wir regulieren die übersteuerte Reaktion und wir erwecken die eingeschlafene Reaktion.
Zusammengefasst bewirkt das Nutzen von Orientierungsübungen:
• Wiederherstellung der beiden Orientierungsreaktionen (defensiv und erkundend)
• Balancieren übersteuerter oder dissoziierter Orientierungsreaktionen
• Erleben von Sicherheit im Hier und Jetzt
• Verkörperung von Sicherheit im Hier und jetzt
Orientierung als grundlegende Übung / Ressource / Intervention sollte also
niemals unterschätzt werden, auch wenn es so einfach und unspektakulär
erscheint.
Die Kraft des Pendelns - Selbst- und Co-Regulation / Verarbeitung
Was ist „Pendeln“?
Pendeln bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, zu verlagern und zu fokussieren, um mit überwältigenden Erlebensqualitäten umzugehen.
Die Aufmerksamkeit wird dabei pendelnd vom dysregulierend wirkenden Stressor (oder Erleben) umgelenkt auf eine regulierend wirkende Ressource. Die Ressource muss dabei nicht immer etwas Wunderbares, Großartiges oder Glückseliges sein. Manchmal ist eine Ressource auch einfach etwas, was weniger intensiv ist als der Stressor. Alles, was „besser“ ist, ist bereits eine Ressource (weil es
regulierend wirkt).
Das Pendeln in der traumasensiblen Begleitung ist immer mit dem Körper verknüpft, da wir mit dem Nervensystem arbeiten. Wir nutzen dabei den bewussten Verstand gezielt, um Körperzustände zu verändern.
Was für Möglichkeiten zu pendeln gibt es?
Pendeln kann der Selbstregulation und der Co-Regulation dienen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu pendeln.
Grundsätzlich pendeln wir immer zwischen „Stressor“ und Ressource. Ein Stressor ist alles, was das Nervensystem aktiviert, emotionale Reaktionen hervorruft und zu einem dysregulierten Zustand führt oder führen kann)
Wir können in unserem Innern hin und her pendeln oder auch zwischen Innen und Außen pendeln.
• Zwischen inneren Stressoren und inneren Ressourcen
• Zwischen innere Stressoren und äußeren Ressourcen
• Zwischen äußeren Stressoren und äußeren Ressourcen (check Körperempfindungen dabei)
• Zwischen äußeren Stressoren und inneren Ressourcen
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Regulations-Ressourcen für dich von Verena König
Traumasensible Meditation 1: Kraft deiner Unversehrtheit
Traumasensible Meditation 2: Du bist genug
Traumasensible Meditation 3: Sicherheit im Hier und Jetzt
Weitere zahlreiche kostenlose Meditationen, die dich auf deinem Weg unterstützen, findest du auf der Seite von Verena König im kostenlosen Memberbereich unter "Geschenke".
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Weiterführende Podcast-Folgen
- Stress: Raus aus der Stressfalle! // Podcast #29
- Wieso Integrität unverzichtbar für ein erfülltes Leben ist // Podcast #44
- Überlebensstrategien & wahrhaftige Wünsche // Podcast #88
- Polyvagaltheorie: Ohnmacht & Starre // Podcast #84
- Woltemade Hartmann (Lebensflussmodell) // Podcast #31 und Podcast #119
- Dem Gedankenkarussel entkommen // Podcast #195
- Die Kraft der Selbstregulation // Podcast #83
- Wie Selbstregulation gelingt // Podcast #209
- 3 Schlüssel für ein reguliertes Nervensystem // Podcast #215